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mid Genf/Schweiz - Auf dem Genfer Automobilsalon (8. bis 18. März 2012) präsentieren 250 Hersteller aus über 30 Ländern rund 900 Automodelle. Trotz Speedlimits und Klimadiskussion kommen viele Neuheiten PS-stark daher. Ein Interview mit Professor Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research an Universität Duisburg-Essen, klärt die Trends.
mid: Verbrauchsoptimierte Kompaktwagen werden den Genfer Autosalon prägen. Heißt das neue Motto der Automobilentwicklung: konventionelle Optimierung?
Dudenhöffer: "Der Hype um die Elektromobilität beruhigt sich. Ein Großteil der Autobauer kehrt in Genf wieder zu den traditionellen Antrieben zurück. Es wäre schade, wenn das Thema Elektromobilität in den nächsten Jahren unter den Tisch fallen würde. Die Autobauer würden viel Glaubwürdigkeit einbüßen".
mid: "Die Studien und Modelle, die auf dem Salon in Genf zu sehen sind, entstanden ja nicht in wenigen Wochen. Warum haben die Hersteller über diesen Kurs so lange geschwiegen?"
Dudenhöffer: "Mehr als 80 Prozent der bis zum Jahre 2020 verkauften Fahrzeuge haben konventionelle Antriebe. Plug-In Hybride, reine Batterie-Antriebe und Brennstoffzellen bleiben also noch eine ganze Weile ein kleines Marktsegment. Von daher haben alle Autobauer mit Recht die Weiterentwicklung der konventionellen Fahrzeuge betrieben. Und da jetzt - etwa in Deutschland - die Elektromobilität doch langsamer voran kommt als die Kanzlerin angekündigt hat, packen alle ihre Innovationen im konventionellen Bereich aus".
mid: "In jüngster Vergangenheit konnten Hersteller und Marken ihr Image vor allem mit alternativen Antrieben aufwerten. Was hat sich daran geändert?"
Dudenhöffer: "Automarken gewinnen beim Kunden durch Innovationen an Beachtung. Innovation bedeutet auch Neuigkeitswert und der war bei der Elektromobilität sehr stark ausgeprägt. Wenn dann über mehrere Jahre überwiegend Studien zu sehen sind und die Fahrzeuge nicht bei den Händlern stehen, ermüdet das Interesse. Genau da stehen wir heute."
mid: "Warum kühlt der Hype um die Elektro-Autos so merklich ab?"
Dudenhöffer: "Es ist viel angekündigt worden und wenig auf die Straße gekommen. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit. Das ist ähnlich wie bei den Biokraftstoffen. Viele Ankündigungen, aber im Alltag wenig zu sehen. Und dann natürlich die vielen Studien und Berichte, die alles als nicht tragfähig einstufen. Zu teuer, zu geringe Reichweite, zu lange Ladezeiten, zu große Unsicherheiten bei den Batterien, ja selbst die Lithiumvorräte auf der Erde wurden als Problem der Elektromobilität ins Feld geführt. Manchmal reden wir Themen auch kaputt. Denken Sie nur an E10".
mid: "Die Power- und Spassfraktion punktet wieder deutlich. Warum?"
Dudenhöffer: "Wenn der Kunde mit dem Elektroauto oder den Plug-In in Verbindung kommt, sind die Reaktionen sehr euphorisch. Ein bisschen wie bei dem iPhone. Wer niemals ein iPhone gesehen hat, fragt, wieso man für ein Handy so viel Geld auf den Tisch legen kann. Wer das Ding in der Hand hält, läßt es nicht mehr los. Das Produkt spricht für sich und überzeugt. So ist es mit den Elektroautos und den Plug-In-Hybriden. "
mid: "Der globaler Markt verspricht Zuwächse vor allem in Asien. Ist dort die Auto-Diskussion stärker vom Prestige-Denken geprägt?"
Dudenhöffer:"In den Mega-Cities in Asien kommt man mit den Verbrennungsmotoren und deren Emissionen nicht mehr weiter. Das ist so, wie im Ruhrgebiet vor 50 Jahren, als der Himmel über Wanne-Eikel nicht mehr zu sehen war. Wanne-Eikel hat sich gewandelt, die Schlote sind verschwunden. So wird es in den Mega-Cities Asiens mit unseren Dieselautos geschehen".
mid: "Steckt die Modell-Entscheidung vor allem der deutschen Premiumhersteller damit in einer Problemsituation?"
Dudenhöffer: "Um die deutschen Premium-Hersteller mache ich mir keine Sorgen. Mercedes und BMW sind sehr weit mit Elektroautos und Plug-In-Hybriden. Bedauerlich ist die Situation in Ländern wie Deutschland. Das Elektromobilitätsprogramm der Bundesregierung ist deutlich schwächer als die großen Versprechungen der Kanzlerin. In Deutschland hatte die Autoindustrie immer eine wichtige Stellung, war immer Exportmotor und wurde weltweit bewundert. In Zukunft fährt Deutschland als Land hinterher. Wir werden über Amsterdam, Paris, Shanghai und andere Orte sprechen, wenn wir über die Vorbilder für die Mobilität von morgen sprechen. Deutschland verpasst den Anschluss. Das ist das Traurige an der Geschichte.
Joachim Novitzki/mid - Bild: CAR
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